„Survival of the Friendliest“

DAAD-Generalsekretär Dr. Kai Sicks sieht eine historische Chance für Deutschland. © DAAD/Norbert Ittermann
Deutschland hat die Chance, zum Studienziel Nummer eins für Studierende aus aller Welt zu werden, findet DAAD-Generalsekretär Dr. Kai Sicks. Er fordert eine entschlossene Investitionsstrategie für internationale Studierende.

Die Welt der Hochschulen und des weltweiten akademischen Austauschs verändert sich derzeit mit großer Geschwindigkeit. In den USA, im Vereinigten Königreich, in Kanada und auch in Australien erleben wir zunehmende politische Barrieren gegenüber internationalen Studierenden und Promovierenden: strengere Visaauflagen, höhere Gebühren, politische Skepsis bis hin zu Ausweisungen. Länder mit den besten Universitäten der Welt schließen sich stärker ab – oftmals entgegen den Wünschen und Forderungen von genau diesen Universitäten.

Was für viele Studierende der globalen Mittelschicht eine Bedrohung ihrer Karriereplanung darstellt, ist für Deutschland zugleich eine historische Chance. Wenn andere ihre Türen für internationale Talente schließen, können und sollten wir sie öffnen. Nicht nur aus bloßer Gastfreundschaft, sondern aus wohlverstandenem Eigeninteresse: Im globalen Wettbewerb um herausragende Talente in allen Technologie- und Wissenschaftsfeldern gilt „Survival of the Friendliest“. Wer in Zeiten der Unsicherheit Freundlichkeit, Offenheit und Verlässlichkeit bietet, gewinnt das Spiel um die besten Kräfte.

Wir wissen, was auf dem Spiel steht: Jeder Jahrgang internationaler Studierender trägt über seine Lebenszeit rund 16 Milliarden Euro mehr zum deutschen Staatswesen bei, als die Bundesrepublik in ihn investiert – so eine kürzlich veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. In Zeiten von Milliardenlücken im Staatshaushalt ist das kein Nebenaspekt. Zugleich lässt sich der Wert internationaler Studierender in Deutschland nicht nur in Euro beziffern: Schon während ihres Studiums bereichern sie Lehre und Forschung an unseren Hochschulen. Viele bleiben nach ihrem Abschluss und stärken als hochqualifizierte Fachkräfte unsere Wirtschaft und die Vielfalt unserer Gesellschaft. Andere kehren in ihre Heimatländer zurück – und wirken als Botschafterinnen und Botschafter Deutschlands, als Brückenbauer zwischen Ländern und Systemen.

„Jeder Jahrgang internationaler Studierender trägt über seine Lebenszeit rund 16 Milliarden Euro mehr zum deutschen Staatswesen bei, als die Bundesrepublik in ihn investiert.“

Kurzum: Wer in internationale Studierende investiert, gewinnt Freunde und Partner für eine Welt im Umbruch, in der wir in Deutschland auf globale strategische Netzwerke mehr denn je angewiesen sind. Zugleich reicht es nicht, einfach möglichst viele Studierende anzuwerben. Wir tragen Verantwortung dafür, dass diese jungen Menschen hier eine ausgezeichnete Ausbildung erhalten, gut betreut werden und sich entfalten können. Hochschulen sind gefordert, schon bei der Auswahl höchste Standards zu sichern – dies gilt natürlich auch für die Begleitung und das Studium der Studierenden. Die Wirtschaft ist gefordert, flexibler zu werden bei der Einstellung von Hochschulabsolventinnen und -absolventen ohne muttersprachliche Deutschkenntnisse. Und wir alle sind gefordert, junge Menschen, die von weit her zu uns kommen, willkommen zu heißen. Eine gelebte Willkommenskultur betrifft auch die sozialen Rahmenbedingungen.

Studienerfolg hängt nicht nur von Hörsälen, Seminaren und Professorinnen und Professoren ab, sondern ebenso von der Frage: Habe ich ein Dach über dem Kopf? Finde ich bezahlbaren Wohnraum? Habe ich eine Ansprechperson, wenn es schwierig wird? Wo finde ich deutsche Bekannte und Freunde? Gemeinsam mit dem Deutschen Studierendenwerk haben wir bereits darauf hingewiesen: Ohne eine verlässliche soziale Infrastruktur – Wohnheime, Sanierung von Hochschulgebäuden, mehr Personal für Beratung und Betreuung – bleibt Internationalisierung Stückwerk. Wer Talente gewinnen will, muss auch für sie sorgen.

„Wenn andere ihre Türen für internationale Talente schließen, können und sollten wir sie öffnen. Nicht nur aus bloßer Gastfreundschaft, sondern aus wohlverstandenem Eigeninteresse.“

Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt

Dabei sind wir in Deutschland grundsätzlich gut aufgestellt: Die aktuelle BintHo-Studie des DAAD zeigt, dass drei Viertel der internationalen Studierenden sehr zufrieden mit ihrem Studium hierzulande sind – und dass ungewöhnlich viele im weltweiten Vergleich nach einem Abschluss in Deutschland bleiben wollen. Schon von denjenigen Studierenden aus dem Ausland, die vor mehr als zehn Jahren nach Deutschland gekommen sind, ist fast die Hälfte nach Studienende in Deutschland geblieben. Jüngste Zahlen deuten darauf hin, dass diese Tendenz seitdem weiter steigt. Ebenso erfreulich: Eine hohe Zahl internationaler Studierender interessiert sich dafür, in Deutschland ein Unternehmen zu gründen. Das ist ein gewaltiger Standortvorteil.

Aber dieselbe Studie zeigt auch Schattenseiten: Diskriminierungserfahrungen – gerade auf dem Wohnungsmarkt – sind Realität. Das müssen wir ernst nehmen und bekämpfen. Wer hier studiert, soll Zugehörigkeit erfahren, nicht Ausgrenzung. Deutschland muss verlässlicher Partner und sicherer Ort für alle Studierenden sein – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Pass.

Was heißt das politisch? Wir brauchen erstens eine entschlossene Investitionsstrategie für internationale Studierende. Dazu gehören mehr Stipendien für internationale Studierende ebenso wie bezahlbarer Wohnraum, moderne Hochschulgebäude und gute Betreuung. Wir brauchen dies auch vor dem Hintergrund, dass weltweit neue Konkurrenz entstanden ist: Sowohl China als auch Russland haben ihre Bemühungen zur Gewinnung internationaler Studierender stark ausgebaut; Länder wie die Türkei und Südkorea sind inzwischen wichtige und für viele Studierende sehr attraktive Studienländer geworden.

Und wir brauchen zweitens von den Hochschulen Strategien und Maßnahmen, durch die auch bei steigenden Zahlen internationaler Studierender Qualität und Verantwortung gesichert bleiben. Dass internationale Studierende weiterhin schlechtere Erfolgsaussichten auf den Abschluss eines Studiums haben als Studierende mit deutschem Abitur, sollte uns ein kontinuierlicher Ansporn sein.

„Deutschland hat aktuell die vielleicht einmalige Chance, zum bevorzugten Studienziel herausragender junger Menschen aus aller Welt zu werden.“

Einmalige Chance für Deutschland

Deutschland hat aktuell die vielleicht einmalige Chance, zum bevorzugten Studienziel herausragender junger Menschen aus aller Welt zu werden. Aber Chancen sind vergänglich. Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass Top-Talente von selbst zu uns kommen; und wir müssen die Bedingungen für ihr Studium an einer deutschen Hochschule so gestalten, dass wir – die Studierenden, die Hochschulen, die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler – gemeinsam davon profitieren. Wir müssen gemeinsam hart daran arbeiten, zu zeigen: Hier ist ein Land, das Talente willkommen heißt, sie fordert und fördert, in sie investiert und ihnen das Gefühl gibt: Ihr gehört dazu. In einer Welt, die an vielen Orten auf Abgrenzung setzt, kann Deutschland durch Freundlichkeit, Offenheit und Verlässlichkeit gewinnen. Jetzt ist der Moment, diese Chance zu ergreifen.

Dr. Kai Sicks (6. Januar 2026)
Zuerst erschienen im DSW Journal (Ausgabe 4/2025): DSW: „Wir müssen Tempo machen“

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