Falling Walls Lab Taiwan 2026: Innovative Ideen in drei Minuten
Das Interesse am Wettbewerb war in diesem Jahr besonders groß: Aus mehr als 40 Bewerbungen wurden 20 Teilnehmende für das Finale ausgewählt, von denen 19 am Wettbewerb teilnahmen. Sie kamen von neun Universitäten, der Academia Sinica sowie zwei Start-ups.
Beim Falling Walls Lab haben die Teilnehmenden jeweils drei Minuten Zeit, um ihre Forschungsideen vorzustellen und zu zeigen, welche wissenschaftlichen, technologischen oder gesellschaftlichen „Mauern“ sie mit ihrer Arbeit überwinden möchten. Die diesjährigen Beiträge spiegelten die große Bandbreite der taiwanischen Forschungs- und Innovationslandschaft wider. Thematisch reichten sie von künstlicher Intelligenz und medizinischer Forschung über neue Diagnose- und Behandlungsmethoden bis hin zu Landwirtschaft, Umweltfragen und technologischen Lösungen für praktische Herausforderungen.
Die Gewinnerinnen und Gewinner
Den ersten Platz erreichte Lilian Lin von Pulxion Medical Technology mit ihrem Beitrag „Breaking the Wall of Silent Stroke“. Sie stellte ein Verfahren zur schnellen und unkomplizierten Früherkennung eines erhöhten Schlaganfallrisikos vor. Dabei werden mit einer Kamera feinste Veränderungen im Bereich des Halses erfasst und anschließend mithilfe künstlicher Intelligenz ausgewertet. Ziel ist es, ein einfach zugängliches Screening zu ermöglichen, das nur wenige Minuten dauert und insbesondere Personen ohne erkennbare Symptome frühzeitig auf ein mögliches Risiko aufmerksam machen kann.

Den zweiten Platz belegte Anjali Thakran von der Academia Sinica mit ihrem Beitrag „Breaking the Wall of the Silicon Ceiling“. Sie präsentierte einen neuen Ansatz, um die Effizienz von Solarzellen weiter zu steigern. Durch eine optimierte Materialschicht sollen Energieverluste reduziert und dadurch höhere Leistungen ermöglicht werden. Der Ansatz baut auf bestehender Siliziumtechnologie auf und könnte insbesondere für leistungsfähigere Tandem-Solarzellen von Bedeutung sein.
Mit dem dritten Platz wurde Yu-Chen Huang von der Academia Sinica und der National Taiwan University für den Beitrag „Breaking the Wall of Memory Computation in the Brain“ ausgezeichnet. Er untersucht, wie Gedächtnisinhalte während des Lernens in verschiedenen Hirnregionen verarbeitet werden. Seine Forschung könnte langfristig dazu beitragen, neue Prinzipien für effizientere Lern- und Gedächtnissysteme in der künstlichen Intelligenz zu entwickeln.
Entscheidung einer interdisziplinären Jury
Über die Platzierungen entschied eine interdisziplinär besetzte Jury mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Forschungsförderung, Wissenschaftsnetzwerken und Wirtschaft. Den Vorsitz hatte Céline Nauer von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Weitere Jurymitglieder waren Dr. Jec-Kong Gone, Deputy Director General des National Science and Technology Council (NSTC), Dr. Josef Goldberger, Leiter des Saxon Science Liaison Office Taiwan, Chee-How Tan, Managing Director von Infineon Technologies Taiwan, Dr. Mei-Yu Chang, Deputy Director General des Taiwan Ocean Research Institute, sowie Dr. Ya-Yu Chiang, Assistant Professor an der National Taiwan University.

Bei der Bewertung standen insbesondere das wissenschaftliche und innovative Potenzial sowie die mögliche Wirkung der Beiträge im Mittelpunkt. Der „Breakthrough Factor“ floss mit 50 Prozent in die Bewertung ein, „Relevance and Impact“ mit 40 Prozent. „Structure and Performance“ machten die verbleibenden 10 Prozent aus.
Für die Jury war die Entscheidung angesichts der hohen Qualität der Beiträge nicht einfach. Josef Goldberger, der bereits zum sechsten Mal am Falling Walls Lab Taiwan beteiligt war und zum dritten Mal der Jury angehörte, hob insbesondere die Entwicklung der vergangenen Jahre hervor: „Compared to previous years, the quality of the Falling Walls participants has increased significantly. It was very difficult to make a decision among so many high-quality presentations.“
Auch die Juryvorsitzende Céline Nauer betonte die große thematische Bandbreite: „The diversity of topics, from AI and semiconductor technology to MedTech and culture, was very inspiring.“
Julian Goldmann vom Deutschen Institut Taipei hob darüber hinaus die Bedeutung des Formats für Wissenschaftskommunikation und die deutsch-taiwanische Forschungszusammenarbeit hervor: „Das Falling Walls Lab Taiwan beweist jedes Jahr aufs Neue, wie viel herausragendes Talent und thematische Breite in Taiwans Forschungslandschaft stecken. Besonders wichtig ist dabei auch die Fähigkeit, komplexe Wissenschaft verständlich zu vermitteln. Für die deutsch-taiwanische Forschungs- und Wissenschaftskooperation ist diese Dynamik ein hervorragendes Signal.“
Von Taiwan nach Berlin
Die Erst- und Zweitplatzierten des Falling Walls Lab Taiwan werden Taiwan vom 6. bis 9. November 2026 beim Falling Walls Science Summit in Berlin vertreten. Dort erhalten sie die Möglichkeit, ihre Forschung einem internationalen Publikum vorzustellen und sich mit Forschenden, Innovatorinnen und Innovatoren sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auszutauschen.

Zusätzlich werden Lilian Lin und Anjali Thakran auf Einladung des Saxon Science Liaison Office Taiwan für zwei Tage die Technische Universität Dresden besuchen. Dort erhalten sie Einblicke in relevante Fachbereiche, haben Gelegenheit zum Austausch mit Professorinnen und Professoren und können zugleich die Stadt Dresden kennenlernen.
Für den DAAD und seine Partner bietet das Falling Walls Lab die Gelegenheit, junge wissenschaftliche Talente in Taiwan sichtbar zu machen und neue Verbindungen über Fach- und Ländergrenzen hinweg zu schaffen. Auch künftig soll das Format Forschenden eine Plattform bieten, um innovative Ideen einem internationalen Publikum zu präsentieren.