Taiwan scheint bisher in seinen Seuchenbekämpfungsstrategien vieles richtig gemacht zu haben und sehr früh die Gefahren realistisch eingeschätzt und entsprechende Maßnahmen getroffen zu haben.

Obwohl Taiwan eines der ersten Länder außerhalb Chinas war, in denen Infektionen aufgetreten sind, ist die Anzahl der 2020 insgesamt Infizierten mit 488 bestätigten Fällen sehr niedrig (davon sieben Personen verstorben, 462 geheilt; Stand 31.08.2020). Trotz der geographischen Nähe und engen wirtschaftlichen Beziehung zu China konnten die Fallzahlen bisher niedrig gehalten werden. Aktuelle Neuinfektionen betreffen ausschließlich Rückkehrer aus dem Ausland, insbesondere aus Europa und Nordamerika, die bereits unmittelbar nach der Einreise in Taiwan identifiziert werden konnten.

Seit dem 19.03.2020 dürfen nur noch taiwanische Staatsangehörige und Ausländer mit taiwanischer Aufenthaltsgenehmigung ins Land einreisen! ALLE Einreisenden, ungeachtet der Nationalität, Ausgangspunkt des Fluges und Travel History, müssen eine 14tägige Hausquarantäne einhalten. Ausländische Studierende, die einen Studienabschluss in Taiwan anstreben, dürfen seit Mitte August wieder in Taiwan einreisen.

Die taiwanische Bevölkerung ist mit grundlegenden Vorsichtsmaßnahmen zur Seuchenbekämpfung aufgrund der SARS-Epidemie 2003 gut vertraut und befolgt die Hygienebestimmungen und Schutzmaßnahmen mit großer Disziplin. Die meisten Menschen im Straßenbild und jeder Benutzer des öffentlichen Verkehrs trägt Mundschutzmasken. Taiwaner und auch in Taiwan lebende Ausländer können regelmäßig gegen Identitätsüberprüfung neue Masken in limitierter Anzahl in Apotheken vor Ort kaufen oder online bestellen. Ähnlich funktioniert auch die Verteilung von Desinfektionsmitteln und anderen Hygieneprodukten. In allen öffentlichen Gebäuden und auch am Büro des DAAD Informationszentrums Taipeh sind Desinfektionsmittel für Mitarbeiter und Besucher verfügbar. Bei Studienberatungen wird am DAAD Informationszentrum Taipeh die Körpertemperatur der Besucher überprüft, diese müssen Mundschutz tragen und ihre Hände desinfizieren.

Ähnlich funktioniert der Uni-Betrieb. Alle Lehrenden und Studierenden mussten vor Semesterbeginn (der um zwei Wochen nach hinten verschoben worden ist) in einem Abfrageformular ihre Reisehistorie der letzten zwei Wochen angeben. Bei Betreten des Campus und der meisten Unterrichtsgebäude muss sich jeder täglich einer Fieberkontrolle unterziehen und seine Hände desinfizieren. Studierende, die nicht mehr nach Taiwan einreisen konnten, erhalten nach Möglichkeit individuellen Online-Unterricht. Für den Fall einer Erkrankung werden alle Lehrveranstaltungen, die die infizierte Person besucht/geleitet hat, gestoppt und alle Kommilitonen müssen sich einer Quarantäne unterziehen. Bei zwei Krankheitsfällen an derselben Universität muss der Präsenzunterricht an der gesamten Hochschule ausgesetzt werden. Dieser Fall ist bisher lediglich an einer Hochschule, der National Taiwan Normal University (NTNU) eingetreten. Die NTNU setzte Ihre Lehrtätigkeit in Form von Online-Kursen fort. In Vorbereitung auf den Ernstfall werden die Lehrenden an allen taiwanischen Hochschulen gegenwärtig in Techniken des Online-Unterrichts eingeführt, um notfalls den Unterricht ohne Präsenz weiterführen zu können. Gegenwärtig wird das Online-Lehrangebot an den meisten taiwanischen Hochschulen massiv ausgebaut.

Aufgrund der sehr erfolgreichen Seuchenbekämpfungsmaßnahmen kam es in Taiwan bisher zu keinem Zeitpunkt zu einem Lock-Down und der Hochschulpräsenzunterreicht ebenso wie die IC-Bürotätigkeit konnte ohne wesentliche Einschränkungen fortgeführt werden. Die Versorgungslage mit Lebensmittel und Pharmazeutika ist gut, öffentlicher Verkehr etc. funktioniert wie zuvor. Internationale Konferenzen und Großveranstaltungen an Universitäten wurden auf spätere Termine verschoben und auch eine Reihe von DAAD Informationsveranstaltungen in Taiwan wurden bereits abgesagt oder in Webinare umgewandelt.

In Taiwan versucht man durch viele kleine Maßnahmen, die Verbreitung des Virus zu verhindern, ohne dabei bisher extreme Einschränkungen bei grundlegender Bewegungsfreiheiten und im Alltagsleben zu verursachen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Strategie weiterhin erfolgreich ist.

Josef Goldberger, Leiter des DAAD Informationszentrums Taipeh

Weiterführende Informationen

Informationen des Deutschen Instituts zur Coronavirus-Situation (Covid-19/2019 nCoV) in Taiwan

Informationen zu Auswirkungen der Coroavirus-Pandemie auf die Arbeit des DAAD

Vorbild Taiwan? Wie sich längerfristige Campusschließungen vermeiden lassen Times Higher Education (THE) 27.08.2020

Der Journalist Ilon Huang gibt einen Einblick in den derzeitigen Unterricht während der Corona-Pandemie in Taiwan (07.05.2020, RTI)

Kurzreportage des Journalisten Klaus Bardenhagen zur Situation in Taiwan:

Coronakrise: Warum Taiwan weniger Virus-Tote als Deutschland hat

22.04.2020 Umschau ∙ MDR Fernsehen