(Deutsche Welle, ÜS der chinesischen Sprachversion) Erstmals wurde ein deutsches „Falling Walls Lab” in Taiwan durchgeführt. Die Veranstaltung, die sich die Förderung von innovativen Jungwissenschaftlern zum Ziel setzt, wurde vom DAAD Informationszentrum Taipeh mit Unterstützung des Deutschen Instituts Taipei und des taiwanischen Ministry of Science and Technology umgesetzt. Die Organisatoren wählten aus 25 Bewerbern neun Kandidaten zur Teilnahme beim Wettbewerb am 21. Mai im Taipei 101 Wolkenkratzer aus. Überraschenderweise war der Gewinner des Innovationswettbewerbes „Falling Walls Lab” in Taipei jedoch kein Taiwaner, sondern der 25-jährige Rumäne Sabin Paraschiv.

Sabins fantastische Taiwanreise

„Ich bin zwar kein taiwanischer Staatsbürger, aber trotzdem vertrete ich jetzt Taiwan!“, erzählt Sabin Paraschiv der Reporterin der Deutschen Welle ganz aufgeregt. Er habe es gar nicht für möglich gehalten, dass er sich gegenüber seinen Mitbewerbern durchsetzen werde. Der dreiminütige Vortrag Sabin Paraschivs mit dem Titel „Breaking the Wall of Battery Charging Technology“, der eine Lademethode zur Wiederverwendung von Batterien vorstellte, wurde von der Jury klar favourisiert.

Sabin Paraschiv aus Rumänien

Sabin Paraschiv wird Taiwan beim Finale des Falling Walls Labs im November vertreten. Sollte er auch diesen Wettbewerb gegen die internationale Konkurrenz für sich entscheiden können, erhält er nicht nur ein hohes Preisgeld, sondern auch die Möglichkeit, seine Idee erneut auf der großen Bühne der „Falling Walls Conference“ zu präsentieren. Wegen der Covid-19-Pandemie wird die diesjährige Veranstaltungsserie im November aber voraussichtlich als Online-Event umgesetzt werden.

Innovativ, vielfältig und tolerant

Sabin Paraschiv besuchte Taiwan erstmals 2017 für einen sechsmonatigen Sprachkurs. Da es ihm in Taiwan außerordentlich gefiel, entschloss er sich wieder zurückzukehren. 2018 inskribierte er sich an der National Taipei University of Technology für ein Masterstudium, das er diesen Sommer beenden wird. Wie genau es dann weitergehen soll, kann Sabin noch nicht beantworten. Es gäbe viele Möglichkeite, meint er, und er habe es noch nicht eilig eine Entscheidung zu treffen; zudem könne er aufgrund der Covid-19-Pandemie derzeit Taiwan ohnehin nicht verlassen. Immerhin sei Taiwan gegenwärtig relativ sicher.

„Ist es bedauerlich, dass der Preisträger des ersten derartigen Wettbewerbs in Taiwan gar kein Bürger Taiwans ist?“ Der stellvertretende Wissenschaftsminister Dr. Dar-Bin Shieh, der auch als Mitglied der sechsköpfigen Jury am Wettbewerb teilnahm, erklärt im Interview mit der Deutschen Welle, dass gerade auf diese Weise die Vielfältigkeit und der tolerante Charakter Taiwans zum Ausdruck komme. Der Gewinner sei ja Student in Taiwan und die im Vortrag präsentierten Forschungsergebnisse wurden in einem taiwanischen Forschungslabor erarbeitet. Es sei beeindruckend und mache ihn stolz, dass Taiwans Bildungssystem exzellente und talentierte ausländische Studierende wie Sabin Paraschiv anzieht – sicher auch ein Erfolg des taiwanischen Bildungssystems.

Erstmals in Taiwan

Dass eine Veranstaltung wie die heutige in Taiwan durchgeführt wird, ist nach Meinung Dar-Bin Shiehs eine Anerkennung der innovativen Forschungs- und Entwicklungspotentiale Taiwans durch die Weltgesellschaft. Es freue ihn zudem, zu beobachten wie taiwanische Forschungsgruppen zunehmend mehr Möglichkeiten haben, sich international auszutauschen.Der Leiter des DAAD Informationszentrums Taipeh Dr. Josef Goldberger bemerkt im Interview mit der Deutschen Welle, dass es besonders erfreulich ist anläßlich des diesjährigen 20. Jubiläums des Informationszentrums eine derartige Veranstaltung durchführen zu können.  Aufgrund der aktuellen Sicherheitsbestimmungen musste die Zahl der Besucher der Veranstaltung beschränkt werden. Jedoch wurde die Veranstaltung über einen Facebook Stream des DAAD auch einem breiteren Publikum zur Verfügung gestellt.

Gruppenfoto mit Wettbewerbsteilnehmern und Jurymitgliedern

Drei Minuten-Vorträge – ein deutsches TED

In lediglich drei Minuten müssen die Teilnehmer eines „Falling Walls Lab“ ein Problem, dem sie sich widmen, und eine Lösungsstrategie dafür erklären. Die Beschränkung auf drei Minuten reflektiert die Idee des sogenannten „elevator-pitch“, erklärt Herr Goldberger. Man stelle sich vor, dass man zufällig im Fahrstuhl auf einen leitenden Vorgesetzten trifft und nun die Möglichkeit während der kurzen gemeinsamen Fahrt nützt, in klaren Worten seine Idee vorzustellen, um auf diese Weise den Vorgesetzten von dieser Idee zu überzeugen.

Die jährlich am 09. November veranstaltete „Falling Walls Conference“ ähnelt in manchen Punkten der amerikanischen TED-Konferenz. Bei beiden Veranstaltungsformaten handelt es sich um populäre Science-Slams. Durch einfache, spannende Vortragswettbewerbe soll einer breiteren Öffentlichkeit Wissenschaft vorgestellt und das Interesse dafür geweckt werden. Der Wissenshorizont soll erweitert und ein Schritt zur Lösung der Probleme in der Welt gesetzt werden.

Mauern einreißen und die Welt verbessern

Die Veranstaltungformate „Falling Walls Lab“ und „Falling Walls Conference“ werden unter Anleitung durch die Falling Walls Foundation organisiert. Die Falling Walls Foundation ist eine Non-Profit-Organisation, die Forschung und Innovation sowie die breitere Wahrnehmung neuer Forschungsergebnisse in der Gesellschaft fördert. Die Falling Walls Foundation erhält Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zahlreiche weitere Sponsoren. „Falling Walls Labs“ werden ganzjährig weltweit durchgeführt und versuchen vor allem junge Menschen für Forschung und Entwicklung zu begeistern und zur Teilnahme an Wettbewerben zu motivieren. Am Gedenktag des Berliner Mauerfalls am 09. November veranstaltet die Falling Walls Foundation alljährlich die „Falling Walls Conference“, zu der renommierte internationale Forscher zu fünfzehnminütigen Vorträgen eingeladen werden.  Herr Goldberger meint mit der Namensgebung des „Falling Walls Lab“ und der „Falling Walls Conference“ gedenkt man natürlich dem Mauerfall in Berlin. Andererseits kann man damit symbolisch auch die Barrieren zwischen Gesellschaft und wissenschaftlicher Forschung verstehen. Wenn diese Barriere aus dem Weg geräumt werden könnte, bestünde auch die Hoffnung auf eine Verbesserung der Welt.

Quelle:

Deutsche Welle, Bihui Chiu, 24.05.2020
Übersetzung: Josef Goldberger