Taiwan scheint bisher in seinen Seuchenbekämpfungsstrategien vieles richtig gemacht zu haben und sehr früh die Gefahren realistisch eingeschätzt und entsprechende Maßnahmen getroffen zu haben.

Obwohl Taiwan eines der ersten Länder außerhalb Chinas war, in denen Infektionen aufgetreten sind, ist die Anzahl der insgesamt Infizierten mit aktuell 235 Personen nach über zwei Monaten noch sehr niedrig (davon zwei Personen verstorben, 29 geheilt; Stand 25.03.2020). Trotz der geographischen Nähe und engen wirtschaftlichen Beziehung zu China konnten die Fallzahlen bisher niedrig gehalten werden. Ein Großteil der aktuellen Neuinfektionen betrifft Rückkehrer aus dem Ausland, insbesondere aus Europa und Nordamerika, die bereits unmittelbar nach der Einreise in Taiwan identifiziert werden konnten.

Seit dem 19.03.2020 dürfen nur noch taiwanische Staatsangehörige und Ausländer mit taiwanischer Aufenthaltsgenehmigung ins Land einreisen! ALLE Einreisenden, ungeachtet der Nationalität, Ausgangspunkt des Fluges und Travel History, müssen eine 14tägige Hausquarantäne einhalten. Seit dem 24.03. ist auch der Transit über taiwanische Flughäfen verboten.

Die taiwanische Bevölkerung ist mit grundlegenden Vorsichtsmaßnahmen zur Seuchenbekämpfung aufgrund der SARS-Epidemie 2003 gut vertraut. Die meisten Menschen im Straßenbild und jeder Benutzer des öffentlichen Verkehrs trägt Mundschutzmasken. Jeder Taiwaner und auch Ausländer erhält pro Woche gegen Identitätsüberprüfung für umgerechnet fünfzig Euro Cent drei neue Masken (in Apotheken vor Ort zu kaufen oder online bestellbar). Ähnlich funktioniert auch die Verteilung von Desinfektionsmitteln und anderen Hygieneprodukten. In allen öffentlichen Gebäuden und auch am Büro des DAAD Informationszentrums Taipeh sind Desinfektionsmittel für Mitarbeiter und Besucher verfügbar. Bei Studienberatungen wird am DAAD Informationszentrum Taipeh die Körpertemperatur der Besucher überprüft, diese müssen Mundschutz tragen und ihre Hände desinfizieren.

Ähnlich funktioniert der Uni-Betrieb. Alle Lehrenden und Studierenden mussten vor Semesterbeginn (der um zwei Wochen nach hinten verschoben worden ist) in einem Abfrageformular ihre Reisehistorie der letzten zwei Wochen angeben. Bei Betreten des Campus und der meisten Unterrichtsgebäude muss sich jeder täglich einer Fieberkontrolle unterziehen und seine Hände desinfizieren. Studierende, die nicht mehr nach Taiwan einreisen konnten, erhalten nach Möglichkeit individuellen Online-Unterricht. Für den Fall einer Erkrankung werden alle Lehrveranstaltungen, die die infizierte Person besucht/geleitet hat, gestoppt und alle Kommilitonen müssen sich einer Quarantäne unterziehen. Bei zwei Krankheitsfällen an derselben Universität (ist bisher noch nicht eingetreten) muss der traditionelle Lehrbetrieb an der gesamten Hochschule eingestellt werden. In Vorbereitung auf diesen Ernstfall werden die Lehrenden an den taiwanischen Hochschulen gegenwärtig in Techniken des Online-Unterrichts eingeführt, um notfalls den Unterricht ohne physischer Anwesenheit weiterführen zu können.

Die Versorgungslage mit Lebensmittel und Pharmazeutika ist gut, öffentlicher Verkehr etc. funktioniert wie zuvor. Internationale Konferenzen und Großveranstaltungen an Universitäten wurden auf spätere Termine verschoben und auch eine Reihe von DAAD Informationsveranstaltungen in Taiwan wurden bereits abgesagt oder in Webinare umgewandelt. Das Central Epidemic Command Center (CECC) empfiehlt die Aussetzung von Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern in geschlossenen Räumen und mehr als 500 Teilnehmern bei Veranstaltungen im Freien.

In Taiwan versucht man durch viele kleine Maßnahmen, die Verbreitung des Virus zu verhindern, ohne dabei bisher extreme Einschränkungen bei grundlegender Bewegungsfreiheiten und im Alltagsleben zu verursachen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Strategie weiterhin erfolgreich ist.

Josef Goldberger, Leiter des DAAD Informationszentrums Taipeh

Informationen des Deutschen Instituts zur Coronavirus-Situation (Covid-19/2019 nCoV) in Taiwan

Informationen zu Auswirkungen der Coroavirus-Pandemie auf die Arbeit des DAAD