Auch in diesem Jahr konnte wieder ein DAAD-gefördertes Treffen der taiwanischen Ortslektoren stattfinden, das vom bereits eingespielten Dreierteam (Stefanie Eschenlohr, Josef Goldberger, Wolfgang Odendahl) konzipiert und organisiert wurde.

Dass diese Treffen eine wichtige Funktion für den Kreis der hiesigen Ortslektoren haben, wurde in der Antragsstellung herausgestellt und zeigte sich in den Teilnehmerzahlen (20 Personen) und in der Konzentration, die alle bis zum Schluss aufbrachten.

Die diesjährige Veranstaltung hatte den Titel „DaF-Curriculumsgestaltung: „Möglichkeiten und Grenzen eines bedarfsorientierten Curriculums“. Das Thema, das von Josef Goldberger vorgeschlagen wurde, traf offensichtlich einen Nerv, da alle Deutschabteilungen in Taiwan mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind – was während der Tagung sehr deutlich wurde: Strukturelle Defizite der Curricula, unzureichende Kursbeschreibungen, mangelnde Kommunikation und Koordination innerhalb des Kollegiums etc.

Die Teilnahme von drei Kollegen aus der Region, i.e. aus Japan (Carsten Waychert, Kyoto Sangyo University), aus Korea (Christian Horn Hankuk University of Foreign Studies), und aus China (Julia Weber, Shanghai Tongji University) war gerade für dieses Thema sehr bereichernd, weil die Kollegen in ihren Vorträgen über Erfahrungen mit curricularen Reformen berichten konnten, Curricula verschiedener Institutionen vorstellten, und vor allem auch an den Diskussionen engagiert teilnahmen.

Die Veranstaltung begann mit einer Kurzpräsentation Josef Goldbergers, in der zunächst das Ortslektorenprogramm des DAAD vorgestellt wurde, und sodann der Status Quo der Germanistik in Taiwan beschrieben wurde. Besonders aufschlussreich war eine aktuelle Erhebung der Deutschlerner-Zahlen, die zeigte, dass die Anzahl der Deutschlerner an den Germanistikabteilungen über die letzten 10 Jahre relativ stabil geblieben ist. Die Tendenz, dass Deutschangebote an den Fremdsprachenzentren der Universitäten ausgebaut werden, ist überall in Taiwan zu beobachten, wenngleich dazu keine Zahlen erhoben werden konnten.

Die Beiträge von Christoph Waldhaus, Armin Ibitz und Jörg Parchwitz beleuchteten ebenfalls die Situation in Taiwan, wobei ersterer eine genaue Analyse des derzeitigen Curriculums an der Fujen University präsentierte – und sehr konkret ausgearbeitete Lösungsvorschläge. Armin Ibitz, ein Wirtschaftswissenschaftler, zeigte die in der Zukunft zu erwartenden Veränderungen der Arbeitswelt auf, und stellte die Frage, wie wir als Deutschlehrende darauf reagieren können und sollten. Jörg Parchwitz befasste sich vor allem mit der Situation der Lehrenden und deren Einstellungen zum eigenen Unterricht, Fortbildungsbedarf, und strukturellen Problemen an den Abteilungen, die er in seiner Dissertation detailliert untersucht hatte.

Mit Julia Webers Vortrag wurde zum ersten Mal Dhoch3 in Taiwan bekannt gemacht. Aus diesem Grund stieß auch die Sprachabteilungsleiterin des Goethe-Institus Ke Li-Fen am Nachmittag zu unserer Veranstaltung, um sich über dieses neue Projekt zu informieren. In der Diskussion konnte noch nicht über konkrete Einsatzmöglichkeiten gesprochen werden, dazu waren die Informationen noch zu neu. Als wichtigstes Hindernis kristallisierte sich jedoch heraus, dass Dhoch3 sich an Masterstudierende richtet, die nur einen kleinen Teil (54) der ca. 2400 Deutsch-Studierenden ausmachen.

Für die Abschlussdiskussion hatten wir konkrete Fragestellungen vorgegeben: In welche Richtung sollte/ könnte sich die Germanistik entwickeln? Wie lässt sich die derzeitige gelähmt-orientierungslose Situation aufbrechen?

Die vorgebrachten Ideen und Lösungsvorschläge sollen zunächst in einem Nachbereitungstreffen gesammelt werden – und dann stellt sich die Frage, ob und wie sie der gesamten germanistischen Community in Taiwan präsentiert werden können.

Natürlich muss auch erwähnt werden, dass organisatorisch alles gut geklappt hat (die Verpflegung, die Technik, die Unterbringung der Gäste). Und sogar das Wetter spielte mit, der sintflutartige Regen kam erst zwei Tage später.

Taipei, 20. Mai 2019

Stefanie Eschenlohr, Josef Goldberger, Wolfgang Odendahl