Internationale Studierende lernen gemeinsam in der Bibliothek.

Internationale Studierende sind wichtig für den deutschen Arbeitsmarkt. Denn Deutschland braucht Fachkräfte, die allein im Inland nicht zu finden sind. Der DAAD spielt eine Schlüsselrolle bei ihrer Gewinnung.

„Wir haben ausgefeilte Instrumente, um internationale Studierende zu gewinnen“, sagt Dr. Ursula Egyptien. „Vor allem möchten wir Studierende erreichen, die hier gute Chancen haben – damit deren Erwartungen erfüllt werden und damit die deutschen Hochschulen gute Leute finden, die ihr Studienziel erreichen.“ Egyptien leitet das Marketing des DAAD. Sie macht auf eine Frage aufmerksam, die in den Debatten um Fachkräfte, Demografie und Globalisierung schon bald eine Schlüsselrolle einnehmen wird.

Denn Deutschland braucht Fachkräfte. Im Inland allein sind sie nicht zu finden. Daher müssen mehr Menschen aus anderen Ländern zum Studium und zur Arbeit in Deutschland gewonnen werden. Auf den ersten Blick sieht die Lage zwar gut aus: Derzeit studieren in Deutschland rund 2,9 Millionen Menschen, mehr als je zuvor. Doch in den nächsten 15 Jahren wird die Bevölkerung im Schnitt um 15 Prozent zurückgehen, in einigen Gebieten in Westdeutschland um 25 Prozent. Das wird auch Studierende betreffen.

Die Zahlen stammen aus einer neuen Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Deutschland mehr internationale Studierende gewinnen muss – und auch kann. Es zeigt sich, dass der DAAD gute Instrumente entwickelt hat, um Interessenten an einem Studium in Deutschland Informationen zu vermitteln und ihnen Wege in eine für sie fremde Hochschul- und Gesellschaftskultur zu ebnen.

Zu den Angeboten des DAAD gehört etwa die deutsch- und englischsprachige Internetseite study-in.de. Sie informiert internationale Studieninteressierte zu allen das Studium und Leben in Deutschland betreffenden Themen. Internationale Studierende berichten unter anderem in Blogs und Vlogs, also Video-Blogs, über ihre Zeit und ihre Erfahrungen in Deutschland.

Deutschland ist ein attraktives internationales Studienland: Es liegt hinter den USA, Großbritannien und Australien auf Platz vier − damit noch vor Frankreich. Damit ist es das meistgewählte nicht englischsprachige Zielland für Studierende. „Wir verfügen über ein breites Angebot“, sagt auch Egyptien. „Wir haben eine ansehnliche und noch wachsende Zahl von englischsprachigen Angeboten, sodass auch diejenigen, die nicht so gut Deutsch können, eine Top-Chance haben auf eine sehr gute Ausbildung. Das ist schon eine Auszeichnung für den Studienstandort Deutschland.“ Zudem sind die Herkunftsländer der Interessentinnen und Interessenten gerade in Deutschland breit gestreut: Nach China und Indien folgen so unterschiedliche Länder wie Russland, Österreich, Italien, Kamerun und Frankreich.

Ein Alleinstellungsmerkmal deutscher Studienangebote liegt in der Verbindung von Praxis und Theorie. „Das nehmen Studierende in anderen Ländern sehr aufmerksam wahr“, hat Egyptien festgestellt. „Wir bekommen viele Anfragen gerade mit Blick auf die dualen Studiengänge.“ Auch sei das deutsche Studiensystem weniger verschult als Systeme in anderen Ländern. Das übrigens zählt mitunter zu den kulturellen Unterschieden, die Studierenden etwa aus Asien zuerst fremd sind. Viele müssten lernen, dass es darauf ankomme, Inhalte miteinander zu verknüpfen, statt sie nur wiedergeben zu können, und dass Nachfragen gewünscht sind, ja erwartet werden, und nicht als Unhöflichkeit gelten. Positiv vermerken die Studierenden wiederum, dass Studiengebühren in Deutschland moderat ausfallen, wenn sie überhaupt erhoben werden. Oft informiert der DAAD Bewerber auch über Stabilität und Sicherheit, berichtet Egyptien. „Für viele Studierende sind das wichtige Orientierungspunkte.“ Auch damit kann Deutschland trumpfen.

Eine Sicht, die auch die Wirtschaft teilt. „Die Gewinnung internationaler Studierender ist einer der wichtigsten Beiträge im Blick auf den Mangel an Fachkräften“, sagt Dirk Werner, Leiter des Kompetenzfelds Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. „Der DAAD ist als Schaltstelle ein gewichtiger Player.“ Nach Informationen seines Instituts bleibt etwa die Hälfte der internationalen Studierenden im Anschluss an ihre Förderung/nach Studienabschluss zunächst in Deutschland. Aber auch diejenigen, die zurückkehren, bilden eine wirtschaftliche und kulturelle Brücke zwischen Deutschland und ihrem Heimatland. „Viele Länder, wie etwa Indien, fördern den Austausch, weil sie ihren jungen Leuten damit eine weitere Perspektive bieten können.“ Werner findet, dass das deutsche Migrationsrecht für Studierende sehr modern ist. Die Wirtschaft, sagt er, teilt die Forderung des DAAD, dass sich die Akteure noch enger vernetzen und gemeinsam Wege zum Studium bahnen, sodass Interessenten früh wissen, was sie erwartet.

Deutschland hat also gute Voraussetzungen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Dazu muss sich die Gesellschaft weiter öffnen, denn darin liegt ihre Zukunft. Der DAAD leistet dazu an der Universität wichtige Beiträge. „An den Hochschulen herrscht ein offenes, freundliches Klima“ sagt Egyptien. „Da werden internationale Studierende aufgenommen. Die Hochschulen sind zunehmend international ausgerichtet. Gesellschaftlich sind wir alle gefragt. Wir werben für Toleranz und Offenheit, denn unsere Gesellschaft hat etwas davon.“

Wolfgang Thielmann

Dieser Beitrag ist in voller Länge erschienen im Onlinemagazin DAAD Aktuell.